Figürliche Bildhauerei – Aktkunst
akt 1Ein zweiwöchiger Kurs am Europäischen Fortbildungszentrum in Wunsiedel unter der Leitung des akademischen Bildhauers Wolfgang Stefan.
Jeden Tag haben wir etwa sechzehn Stunden die Augen offen und sehen letztlich doch sehr wenig.
Die Schlüsselfunktion Sehen stand bei diesem Aktkurs im Mittelpunkt.
aktkurs 3
Es bemühen sich viele Steinmetzen um die figürliche Darstellung, bzw. fühlen sich von ihr angezogen, gleichzeitig spürt jedoch der verantwortungsvolle Handwerker, dass er seine Form in der Figur nicht wirklich beherrscht und vertreten kann. Genau für diese Gruppe wurde dieser Kurs konzipiert.
Gleich am ersten Tag wurde nach dem lebenden Aktmodell gezeichnet. Von Beginn an wurde versucht, das Gesehene sich als Körper bewusst zu machen und körperhaft räumlich darzustellen. Die Architektur im menschlichen Körper – im Bezug auf das Skelett -war zunächst wichtiger als eine schöne gut proportionierte Zeichnung.
Anhand von Bildhauerzeichnungen in der Kunstgeschichte wurde den Teilnehmern aufgezeigt, dass gerade bei den gossen Namen nicht die perfekte Proportion bzw. eine schöne Zeichnung das Ziel war, sondern immer das Bemühen um Form und Raum. So gingen die Teilnehmer auch sehr befreit an ihre zeichnerische Arbeit. Die Ergebnisse waren so erstaunlich und bemerkenswert, das der Kursleiter schon jetzt auf die plastische Umsetzung in Ton gespannt war.
Die ersten drei Tage wurde vormittags nur nach Modell gezeichnet. Nachmittags wurden grundsätzliche Räumlichkeiten am Skelett, an Handmodellen und Gliederpuppen erörtert. Die Teilnehmer merkten auch, dass es nicht darum geht die Figur mit den Augen abzutasten, „abzusehen“ sondern, dass sie verstanden werden muss, bezüglich ihrer Räumlichkeit und ihrer Architektur.
akt 2Faszinierend war die individuelle Sichtweise der einzelnen Schaffenden. Trotz einer ähnlichen (vorgegeben) Vorgehensweise konnte jeder Teilnehmer seine Formempfindungen individuell umsetzen und schaffte eine überzeugende stehende Figur.
An einem der Abende besuchten die Teilnehmer das Atelier des Kursleiters Wolfgang Stefan. Hier konnten sie unter anderem die von ihm nach Kursschluss, nur nach Zeichnungen gearbeitete Figur des Aktmodells betrachten.
Beim Umgießen in Gips waren alle Teilnehmer voll gefordert, da der angestrebte Hohlguss der Gipsfigur hohe handwerkliche Anforderungen stellt. Mit einem außergewöhnlichen Gemeinschaftssinn, der sich in den wenigen Tagen gebildet hatte, wurde aber auch diese Herausforderung gemeistert und jeder war stolz auf den gelungenen Guss seiner Figur, den er mit nach Hause nehmen konnte.
Der Hüttenmeister des Doms in Linz war schon lange auf der Suche nach einem solchen Kursangebot (seiner Aussage nach ist in ganz Österreich kein kompetenter figürlicher Bildhauer bereit einen solchen Kurs für Handwerker zu halten) und das Seminar in Wunsiedel erfüllte genau seine Vorstellungen. Drei der sieben Teilnehmer wollen an diesem Kurs noch einmal teilnehmen.
Nächster Termin: 30.01.2012 bis 10.02.2012